Gewinner 2011
Das waren die m4-Award Gewinner 2011!
Dr. Felix Hausch
Dr. Marcelo Paez-Pereda, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
FLipeD: FKBP51-Liganden für eine personalisierte Depressionstherapie
Bei der Entstehung der Depression spielen körpereigene Stresshormone wie das Cortisol eine wichtige Rolle. So zeigen ca. 50 % aller Depressionspatienten eine veränderte hormonelle Stressreaktion, die auf ein verringertes Ansprechen auf Cortisol zurückzuführen ist. Ein wichtiger Regulator in der Vermittlung der Stressantwort ist das Protein FKBP51. Es bestimmt wie effektiv Cortisol im Organismus wirkt. Nachweislich kann eine Reduktion von FKBP51 zu einer Normalisierung der hormonellen Stressreaktion und zur Verbesserung von Depressionssymptomen führen. Die Partner um Dr. Hausch machen sich das Wissen um den atomaren Aufbau des Proteins FKBP51 zunutze, um neue Wirkstoffe zu entwerfen, die dieses Protein hemmen. Diese Wirkstoffe würden zielgerichtet genau den Patienten zur Verfügung gestellt, die unter einem verminderten Ansprechen auf Cortisol leiden. Da sich dieser therapeutische Ansatz mechanistisch von den vorhandenen Antidepressiva unterscheidet, könnten neuentwickelte Medikamente besonders gut für die Kombinationstherapie bei Depression eingesetzt werden.
Prof. Dr. Karl-Peter Hopfner
Genzentrum der Ludwig-Maximilians Universität München
Priv.-Doz. Dr. Dr. Fuat Oduncu, MBA
Medizinische Klinik Innenstadt, München
Prof. Dr. Georg H. Fey
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Personalisierte Leukämie-Therapie durch "duales Targeting" mit Antikörper-Derivaten (Triplebodies)
Die akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine Krebserkrankung des Blutes. Es gibt viele verschiedene Unterklassen der AML, die meistens nur sehr schlecht therapierbar sind: nur 16%-27% Prozent der Patienten überleben länger als vier Jahre. Die Ursache dafür ist, dass nach der konventionellen Chemotherapie eine minimale Restkrankheit verbleibt. Aus den überlebenden AML-Stammzellen werden neue Krebszellen gebildet, die zu Rezidiven führen. Das Team um Prof. Dr. Karl-Peter Hopfner, PD Dr. Dr. Fuat Oduncu und Prof. Dr. Georg Fey entwickelt eine besondere Form von Antikörpern, sogenannte Triplebodies, die an zwei Oberflächenmoleküle der Krebs-Stammzellen binden. Gleichzeitig binden die Triplebodies an natürliche Killerzellen des Immunsystems, die dadurch an die Krebszelle geholt werden und diese wirksam abtöten. Das Erkennen von zwei Oberflächenmolekülen auf Krebs- und Krebsstammzellen ermöglicht die Entwicklung einer auf die bestimmte Patientengruppen besser abgestimmte personalisierte Therapie der AML. Die Triplebodies sind auch als Plattformtechnologie interessant, da mit diesem Wirkprinzip prinzipiell auch andere Krankheiten therapiert werden könnten.
Prof. Dr. Oliver Ritter
Dr. Martin Czolbe
Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik I
Die Blockade der Calcineurin-Importin-Interaktion als innovatives neues Wirkprinzip zur Behandlung von Herzinsuffizienz
Herzmuskelschwäche äußert sich mit verringerter Belastbarkeit, starker Atemnot und einer hohen Sterblichkeit. Bei der Entwicklung der Herzschwäche spielt das Enzym Calcineurin eine wichtige Rolle, das im Falle einer Herzschwäche vom Zellkern der Herzmuskelzellen aufgenommen wird und dann über eine Signalkaskade im Zellkern zu einer Aktivierung von fehlgeschalteten Genen führt. Um in den Zellkern aufgenommen zu werden, benötigt Calcineurin ein Träger-Protein, ein sogenanntes Importin. Die Arbeitsgruppe von Prof. Ritter konnte dieses Importin identifizieren, welches sich als Zielmolekül für eine neuartige Therapie der Herzschwäche eignet. Es ist ferner gelungen, einen Peptid-Wirkstoff zu entwickeln, der die Aufnahme von Calcineurin in den Zellkern verhindert und den Signalweg hemmt. Im Rahmen der Förderung durch den m4 Award sollen die toxikologischen und pharmazeutischen Eigenschaften dieses Peptid-Wirkstoffes untersucht werden und die klinischen Phasen vorbereitet werden. Das angestrebte Medikament hätte gegenüber der derzeitigen Therapie der Herzschwäche den Vorteil, dass es sehr früh im Krankheitsmechanismus ansetzt und so die Progression der Erkrankung verhindern könnte.
Prof. Dr. Dolores Schendel
Dr. Christiane Geiger
Dr. Miran Javorović
Helmholtz Zentrum München, Institut für Molekulare Immunologie
Individualisierte Dendritische Zellen als Impfstoffe für Patienten mit Hormon-resistentem Prostatakrebs
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern und weist eine hohe Mortalität auf. Nach 2-3 Jahren entwickeln viele metastasierende Tumore eine Resistenz gegen die gängige Hormontherapie und sind dann nur noch schwer behandelbar. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dolores Schendel möchte das körpereigene Immunsystem befähigen, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Als therapeutischer Impfstoff dienen Zellen des Immunsystems, sogenannte Dendritische Zellen. Diese Zellen präsentieren dem Immunsystem Bruchstücke von Oberflächenmolekülen, die sich auf Tumorzellen finden und ermöglichen dem Körper so, die Tumorzellen als „fremd“ zu erkennen. Dies setzt eine breite Immunabwehr in Gang und könnte zu einer vollständigen Heilung führen. Die im Projekt entwickelte Plattformtechnologie der Zelltherapie stellt einen innovativen und hoffnungsvollen Bereich der Medizin dar, der auch auf andere Indikationen ausgeweitet werden könnte.
Dr. Joel Schick1
Dr. Marcus Conrad1,2
Prof. Dr. Wolfgang Wurst1
1Helmholtz Zentrum München, Institut für Entwicklungsgenetik,
2DZNE – Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
RỌScue: Neue Medikamente zur Bekämpfung neurodegenerativer Erkrankungen
In einer alternden Gesellschaft wird der Bedarf an Medikamenten gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson stetig zunehmen. Schon seit längerem ist bekannt, dass das Absterben der Neuronen durch reaktive Sauerstoff-Spezies („Radikale“) verursacht wird. Neu hingegen ist die Erkenntnis, dass diese Stoffe den Zelltod häufig über spezifische Signalwege auslösen. Die in den Signalwegen beteiligten Proteine bieten daher eine neue Angriffsfläche für Medikamente. Das Team von Dr. Joel Schick und Dr. Marcus Conrad hat ein neuartiges Testsystem entwickelt, mit dem sich Medikamentenkandidaten auf ihre schützende Wirkung testen lassen: Hierzu nutzen sie Zellen, denen bestimmte Gene fehlen und welche dadurch besonders viele reaktive Sauerstoff-Spezies bilden. Die Zellen sterben also, sofern die zum Tode führenden Signalkaskaden nicht durch einen Wirkstoff gehemmt werden. Durch ein halbautomatisches Roboter-System und ein automatisiertes Auslesen der Vitalität der Zellen können so sehr schnell große Mengen an Wirkstoffkandidaten getestet werden. Die aussichtsreichsten Kandidaten sollen dann im Rahmen von Tierstudien validiert und zu neuroprotektiven Medikamenten weiterentwickelt werden.