Biotech-Finanzierung 2025: Aufholjagd in der zweiten Jahreshälfte

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Trotz eines schwierigen Marktumfelds hat die deutsche Biotechnologie-Branche 2025 deutlich stärker abgeschlossen als zur Jahresmitte erwartet: Insgesamt flossen 1,787 Mrd. Euro Eigenkapital in den Sektor. Besonders prägend waren große Finanzierungsbeiträge von Tubulis und QIAGEN – während Wachstumsrunden insgesamt rar blieben. 

Die Eigenkapital-Finanzierung der deutschen Biotechnologie-Branche hat sich 2025 deutlich dynamischer entwickelt, als die Zahlen des ersten Halbjahrs vermuten ließen. Nach nur 337 Mio. Euro im ersten Halbjahr stieg das Gesamtvolumen für das Jahr auf 1,787 Mrd. Euro – rund 7 Prozent unter dem Vorjahr (2024: 1,917 Mrd. Euro). Dies geht aus einer Erhebung des Biotechnologie-Branchenverbands BIO Deutschland e. V. in Kooperation mit EY hervor.

Finanzierungsdaten 2020-2025

Auffällig ist dabei die unterschiedliche Entwicklung der Finanzierungsquellen: Während Venture-Capital-Investitionen in private Unternehmen mit 593 Mio. Euro um 34 Prozent gegenüber 2024 zurückgingen, konnten börsennotierte Unternehmen mit 1,194 Mrd. Euro ein Plus von 20 Prozent erzielen. Einen Börsengang gab es 2025 allerdings nicht.

Ein großer Teil der Gesamtfinanzierung konzentrierte sich auf wenige Akteure: Rund 55 Prozent entfielen auf die Tubulis GmbH (344 Mio. Euro) und die QIAGEN N.V. (642 Mio. Euro). Damit prägten diese beiden Unternehmen maßgeblich das Finanzierungsbild des Jahres. 

Der Branchenverband BIO Deutschland e. V. bewertet die Entwicklung trotz der Herausforderungen als positives Signal – insbesondere, weil 2025 vergleichsweise viele Seed-Finanzierungen zustande kamen. Gleichzeitig blieb die Wachstumsfinanzierung jedoch schwach: Abgesehen von der Rekord-Serie-C-Runde von Tubulis wurden nur wenige zweistellige Finanzierungsrunden registriert. BIO Deutschland sieht daher die Umsetzung der geplanten EU- und Bundes-Initiativen für große Wachstumsfonds als entscheidend an, um das Scale-up-Ökosystem in Europa zu stärken.

Auch Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland, fordert eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen – insbesondere mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Großbritannien und die Schweiz konnten bereits in den ersten drei Quartalen mehr Venture Capital mobilisieren als Deutschland im gesamten Jahr. In den USA lagen die VC-Investitionen in Biotech im Vergleichszeitraum bei über 14 Mrd. Euro. Neben privatem Kapital sei deshalb vor allem Geschwindigkeit ein kritischer Faktor: Bürokratieabbau, Hightech-Agenda und Scale-up-Fonds müssten zügig umgesetzt werden, damit technologische Souveränität in Europa realistisch bleibt.

Tubulis spielt 2025 nicht nur statistisch eine Schlüsselrolle: Das Martinsrieder Biotech-Unternehmen konnte seine Series-C-Finanzierung auf insgesamt 344 Mio. Euro ausweiten – ein neuer Rekord für ein europäisches Biotechnologieunternehmen und die größte jemals verzeichnete Finanzierung eines privaten Entwicklers von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) weltweit. Mit dem Kapital will Tubulis die klinische Entwicklung seines Leitprojekts TUB-040 beschleunigen, seine Pipeline ausbauen und seine ADC-Technologieplattform weiterentwickeln. Tubulis entwickelt ADCs der nächsten Generation, die Wirkstoffe gezielt in Tumorzellen bringen sollen, um Wirksamkeit zu erhöhen und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Für Klaus Ort, Partner bei EY und Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen ist Biotechnologie in Deutschland kein Nischenthema, sondern ein bislang unterschätzter Wachstumsmotor. Er warnt, dass fehlende Finanzierung in der Vergangenheit bereits dazu geführt hat, dass vielversprechende Unternehmen und Technologien an US-Investoren oder US-Konzerne verkauft werden mussten. Gerade im internationalen Vergleich, bei gleichzeitig hoher steuerlicher Belastung, brauche es dringend bessere Finanzierungs- und steuerrechtliche Rahmenbedingungen.