TherVacB, ein unter der Leitung von Helmholtz Munich neu entwickelter therapeutischer Impfstoff gegen chronische Hepatitis B, kommt erstmals in einer klinischen Studie an Patient:innen zum Einsatz. Im Juni 2025 wurde der erste Patient in die Studie aufgenommen und mit dem Impfstoff behandelt. Mit TherVacB kommt nun ein Jahrzehnt Forschung in die Klinik. Im Jahr 2023 erhielt das Forschungsprojekt den <link https: www.bio-m.org mediathek nachrichten detail news _blank>renommierten m4 Award des Bayerischen Wirtschaftsministeriums und damit 500.000 Euro für die Entwicklung einer Impfstoff-Formulierung.
TherVacB setzt auf eine innovative Prime-Boost-Strategie: Zuerst werden bestimmte Proteine verabreicht, die das Immunsystem vorbereiten. Danach folgt eine Auffrischung mit einem modifizierten viralen Vektor (MVA), der die zelluläre Immunantwort verstärkt. So sollen sowohl Antikörper als auch T-Zellen gezielt gegen das Hepatitis-B-Virus aktiviert werden. Der Impfstoff wurde so entwickelt, dass er über 95 Prozent der weltweit vorkommenden HBV-Stämme abdeckt – damit könnte er für mehr als 250 Millionen chronisch Infizierte weltweit wirksam sein.
In der vorangegangenen Phase-1a-Studie mit gesunden Freiwilligen zeigte der Impfstoff bereits ein gutes Sicherheitsprofil und löste eine gezielte Immunantwort aus. Jetzt wird die Entwicklung in einer multizentrischen Phase-1b/2a-Studie weitergeführt, gesponsert vom LMU Klinikum München und von Prof. Michael Hoelscher, Direktor des Instituts für Infektions- und Tropenmedizin sowie Sprecher des DZIF-Standorts München, geleitet.
Sie läuft an Kliniken in Deutschland, Italien, Spanien, England und Tansania. Untersucht werden dabei die Sicherheit, Verträglichkeit und die Wirkung des Impfstoffs bei Personen mit chronischer Hepatitis B, deren Infektion derzeit mit antiviralen Medikamenten kontrolliert wird. Insgesamt nehmen 81 Betroffene teil. In der ersten Phase (Phase 1b) erhalten sie steigende Impfstoffdosen, um die sicherste und beste Dosis zu finden. In der zweiten Phase (Phase 2a) wird diese Dosis dann an einer größeren Gruppe getestet, um zu prüfen, wie sicher sie ist und wie gut sie das Immunsystem aktiviert, damit es das Virus unter Kontrolle bringen kann. Ziel ist es, die optimale Dosis zu finden, die sowohl sicher als auch wirksam ist und den Körper dabei unterstützt, Hepatitis B zu bekämpfen.
„Nach 13 Jahren intensiver Forschung ist es unglaublich spannend, dass TherVacB jetzt erstmals an Patientinnen und Patienten getestet wird. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Heilung der chronischen Hepatitis B“, sagt Prof. Ulrike Protzer, Erfinderin des Impfstoffs, Direktorin des Instituts für Virologie bei Helmholtz Munich und Lehrstuhlinhaberin für Virologie an der <link https: www.tum.de _blank>Technischen Universität München. „Der Impfstoff soll die natürliche Immunantwort so anregen, dass der Körper das Virus selbst bekämpfen und eliminieren kann“, ergänzt Protzer, die zudem den Forschungsbereich „Hepatitis“ am <link https: www.dzif.de de _blank>Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) koordiniert.
Im Erfolgsfall könnte der Impfstoff TherVacB einen Durchbruch in der Behandlung der chronischen Hepatitis B bedeuten. Die Möglichkeit, bei bereits infizierten Menschen eine funktionelle Immunantwort auszulösen, könnte erstmals den Weg zu einer tatsächlichen Heilung ebnen – etwas, das bisher keine der verfügbaren Therapien leisten kann.
TherVacB erhielt 2023 den m4 Award des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für besonders innovative, biomedizinische Forschungsprojekte und erhielt für seine Weiterentwicklung eine Förderung von 500.000 Euro.