DFG fördert Leishmanien-Forschung an der Universität Würzburg mit 2,2 Millionen Euro

Dr. Tom Beneke erforscht den Leishmania-Parasiten. © Universität Würzburg/Robert Emmerich

Mit 2,2 Millionen Euro fördert die DFG die neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe von Tom Beneke an der Universität Würzburg. Er erforscht, wie sich von Sandmücken übertragene Leishmanien im Körper ausbreiten. Zentrale Rolle spielen Immunzellen, die von den tropischen Parasiten als Taxi genutzt werden.

Leishmanien sind einzellige Krankheitserreger, die in den Tropen und Subtropen, aber auch in den Ländern rund ums Mittelmeer vorkommen. Durch den Stich von Sandmücken können sie auf Menschen, aber auch auf Hunde und andere Tiere übertragen werden. Manche Leishmanien verursachen an der Einstichstelle Hautgeschwüre, andere befallen hauptsächlich Leber und Milz, was unbehandelt in mehr als 95 Prozent der Fälle tödlich endet.

Warum manche dieser Parasiten lokal begrenzt bleiben und andere sich im Körper ausbreiten, ist eine der ungelösten Fragen der Infektionsbiologie. Die Forschungsergebnisse von Tom Beneke, Infektionsforscher am Biozentrum der Universität Würzburg, weisen jedoch darauf hin, dass sich die Parasiten in Freßzellen des Immunsystems einnisten, die laufend durch den Körper patrouillieren. Leishmanien bewegen sich also nicht von allein durch den Organismus ihrer Wirte und nutzen bei Ihrer Wanderung Immunzellen zu ihren Gunsten – und von Art zu Art unterschiedlich. 

„Das ist umso bemerkenswerter, da sich die Genome der Leishmanien-Arten, die lokal in der Haut verbleiben, nur gering von denen der Arten unterscheiden, die sich im Körper ausbreiten“, so Tom Beneke. Der Forscher vermutet daher, dass die Unterschiede im Verhalten der Erreger durch Variationen in einzelnen Genen bedingt sind. Diese Variationen möchte er mit neuen genetischen Technologien identifizieren, die er eigens für die Erforschung von Leishmanien entwickelt hat.

Wie die Parasiten ihre Wirtszellen im Detail kontrollieren und welche Variationen in den Leishmanien dafür notwendig sind, das will Tom Beneke nun im Rahmen der neuen Emmy-Noether-Forschungsgruppe „LeishMove“ klären. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ihm für den Aufbau der Gruppe rund 2.2 Millionen Euro bewilligt. Das Projekt startet am 1. September 2026 mit einer Laufzeit von sechs Jahren.

Weltweit infizieren sich jedes Jahr bis zu einer Million Menschen an der vernachlässigten Tropenkrankheit. Tausende sterben, jedoch besteht leider nur wenig kommerzielles Interesse an der Entwicklung neuer Medikamente. Gleichzeitig nehmen Resistenzprobleme zu, es gibt keinen zugelassenen Impfstoff für Menschen und die verfügbaren Therapien sind häufig mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. 

Von den Forschungsarbeiten erhofft sich der Würzburger Wissenschaftler auch Hinweise auf neue therapeutische Strategien, mit denen sich die Ausbreitung von Leishmanien im Körper verhindern lässt. Langfristig könnte seine Forschung dazu beitragen, neue Therapieansätze gegen Leishmaniose zu entwickeln und die Behandlung der Erkrankung deutlich zu verbessern.