Hochdotierter Nachwuchspreis für LMU-Molekularbiologen Jonathan Bohlen

Dr. Jonathan Bohlen, © Uwe Dettmar.

Der LMU-Molekularbiologe Dr. Jonathan Bohlen hat den mit 100.000 Euro dotierten Life Sciences Bridge Award der Aventis Foundation erhalten. Damit wird er für seine Forschung zu den molekularen Grundlagen seltener erblicher Immundefekte geehrt. Seine Erkenntnisse könnten Ansätze für neue Medikamente bieten.

Bohlen leitet eine Forschungsgruppe am Genzentrum der LMU, die zugleich zum Comprehensive Childhood Research Center des Dr. von Haunerschen Kinderspitals gehört. Mit seinem Team forscht er an der Schnittstelle zwischen Molekularbiologie und Humangenetik von Immunkrankheiten.

Dabei gelang es ihm erstmals, menschliche Ribosomen dabei zu beobachten, wie sie auf der mRNA nach dem Startpunkt für die Proteinsynthese suchen. Seine Untersuchungen zeigten unter anderem, dass der Translationsfaktor MCTS-1 für die Herstellung bestimmter Proteine entscheidend ist. Damit konnte Bohlen einen bislang unbekannten molekularen Mechanismus aufklären, der der seltenen erblichen Immundefekterkrankung „Mendelian Susceptibility to Mycobacterial Disease“ (MSMD) zugrunde liegt. „Wenn sich gezielt beeinflussen lässt, welche Proteine Immunzellen herstellen, könnte dies einen Ansatzpunkt für neue Medikamente bieten“, erklärt Bohlen.

Seine Doktorarbeit erstellte Bohlen am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wo er die Grundlagen seiner Forschung zur Regulation der Proteinbiosynthese legte. Als Postdoktorand wechselte er anschließend an das Institut Imagine und das angeschlossene Hôpital Necker-Enfants malades in Paris. Dort verband er seine Forschung zur Übersetzung von mRNA in Proteine mit der Humangenetik seltener erblicher Immundefekte. Seit 2024 leitet er die Forschungsgruppe „mRNA Translation in Human Immunity“ an der LMU. Seit 2026 wird seine Arbeit zudem über sechs Jahre im Emmy Noether-Programm der DFG gefördert.

Die Aventis Foundation mit Sitz in Frankfurt am Main vergibt den Life Sciences Bridge Award jährlich an bis zu drei Nachwuchsforschende an deutschen Universitäten. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 100.000 Euro dotiert und sollen die Forschenden auf ihrem weiteren Weg in der Wissenschaft unterstützen. Die diesjährige Preisverleihung findet am 25. September in Frankfurt statt.