Die deutsche Biotechnologiebranche hat 2025 insgesamt 1,8 Milliarden Euro an Kapital eingeworben. Damit lagen die Finanzierungen fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig verschärfte sich die Situation bei Anschlussfinanzierungen deutlich. Zu diesem Ergebnis kommt der „German Biotechnology Report 2026“ von EY und BIO Deutschland.
Trotz eines herausfordernden Marktumfelds konnte die deutsche Biotechnologiebranche im Jahr 2025 insgesamt 1,8 Milliarden Euro Kapital einwerben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von fünf Prozent. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Venture-Capital-Investitionen aus: Diese sanken von knapp 900 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 601 Millionen Euro im Jahr 2025.
Dabei konzentrierte sich das verfügbare Risikokapital zunehmend auf wenige große Unternehmen in späteren Entwicklungsphasen. Die drei größten Finanzierungsrunden vereinten 71 Prozent des gesamten Venture Capitals auf sich. Kleinere Biotech-Unternehmen hatten deutlich größere Schwierigkeiten, Kapital einzuwerben.
Dies geht aus dem aktuellen German Biotechnology Report 2026 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor, der in Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland erstellt wurde.
Trotz wirtschaftlichen Gegenwinds konnte Deutschlands Biotech-Branche sich im Sturm behaupten. Allerdings bleibt der Strukturwandel im Finanzierungsumfeld spürbar: Kapital ist zwar verfügbar, es konzentriert sich jedoch zunehmend auf wenige, bereits weiter entwickelte Unternehmen. Insbesondere in der Wachstumsphase geraten viele Biotechs ins Stocken. Eine nachhaltige Entwicklung der Branche hängt daher maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Finanzierungslücken zu schließen und den Übergang von Forschung zu industrieller Wertschöpfung zu beschleunigen“, sagt Klaus Ort, Senior Partner im Bereich Life Sciences & Health bei EY-Parthenon.
Dr. Viola Bronsema, Geschäftsführerin des BIO Deutschland e. V., betont: „Deutschland hat ein Problem mit der Wertschöpfung von biotechnologischen Erfindungen und Entwicklungen: Die wissenschaftliche Exzellenz ist unbestritten, doch sie führt bislang nicht im gleichen Maße zu wirtschaftlicher Stärke. Begrenzter Zugang zu Wachstumskapital und langwierige Prozesse in fragmentierten Strukturen bremsen die Entwicklung. Entscheidend ist jetzt, diese Rahmenbedingungen zügig und gezielt zu verbessern. Umso wichtiger ist ein innovationsfreundliches Zusammenspiel von Politik, Kapitalmarkt und Industrie, das Investitionen erleichtert und Skalierung ermöglicht.“
Umsatz leicht rückläufig, Beschäftigung steigt weiter
Der Gesamtumsatz der deutschen Biotech-Branche lag 2025 bei zwölf Milliarden Euro und damit ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sanken um vier Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig wuchs die Branche weiter: Die Zahl der Beschäftigten stieg um drei Prozent auf 59.607 Mitarbeitende. Auch die Zahl der Unternehmen nahm um drei Prozent auf 1.052 zu.
Weiterhin keine Börsengänge in Deutschland
Wie bereits in den Vorjahren blieb das IPO-Fenster für deutsche Biotech-Unternehmen geschlossen. Auch 2025 konnte kein deutscher Biotech-Börsengang an einem heimischen Handelsplatz realisiert werden.
Dies steht laut EY im deutlichen Gegensatz zu den USA, wo im vergangenen Jahr zwölf Biotech-Unternehmen den Gang an die Börse schafften und dabei rund 2,1 Milliarden Euro einwarben. Die meisten deutschen Biotech-Unternehmen, die in den vergangenen Jahren an die Börse gingen, wählten ebenfalls die US-Technologiebörse NASDAQ. Abgesehen von Pentixapharm, die 2024 gelistet wurde, liegt der letzte deutsche Biotech-IPO bereits mehrere Jahre zurück.
Nach einem starken Jahr 2024 verlor zudem der deutsche M&A-Markt wieder an Dynamik. Zwar stieg die Zahl der Fusionen und Übernahmen von zehn auf 13 Transaktionen, der Gesamtwert sank jedoch um 38 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.
Frühphasenfinanzierung bricht ein
Besonders kritisch bewertet der Report die Entwicklung der Frühphasenfinanzierung. Nachdem sich das Finanzierungsvolumen 2024 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hatte, sank es 2025 auf 160 Millionen Euro.
Vor allem die Series-B-Finanzierung brach ein: Das Finanzierungsvolumen fiel von 169 Millionen Euro im Jahr 2024 auf lediglich sieben Millionen Euro im vergangenen Jahr – der niedrigste Wert der vergangenen acht Jahre. Die Series-A-Finanzierung blieb mit 75 Millionen Euro vergleichsweise stabil. Auch die Seed-Finanzierung ging zwar gegenüber dem Rekordjahr 2024 zurück, lag mit 78 Millionen Euro jedoch weiterhin über dem historischen Durchschnitt.
Dr. Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland, sieht darin ein anhaltendes „Flaschenhalsproblem“ der Branche. Während Gründungen und erste Finanzierungsrunden in Deutschland weiterhin funktionierten, fehle vielen Unternehmen das Kapital für den Übergang in die Wachstumsphase. Ohne ausreichende Anschlussfinanzierungen hätten junge Unternehmen Schwierigkeiten, ihre Technologien bis zur klinischen Reife zu entwickeln oder zu skalieren.
Klinische Entwicklung macht Hoffnung
Trotz der angespannten Finanzierungslage sehen die Studienautoren positive Signale für die Zukunft der Branche. Die deutsche Biotechnologie wird weiterhin von Anwendungen in Therapie und Diagnostik geprägt. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Reife der Entwicklungspipelines.
Besonders die Zahl der klinischen Phase-2-Studien stieg im vergangenen Jahr von 100 auf 118 Projekte. Phase-3-Studien blieben stabil, während mehrere Unternehmen ihre Wirkstoffkandidaten erfolgreich in fortgeschrittene Entwicklungsphasen überführen konnten.
„Die Perspektiven für die deutsche Biotechnologie sind herausfordernd – aber grundsätzlich positiv“, so Klaus Ort. Wissenschaftliche Exzellenz, technologische Kompetenz und eine wachsende Innovationsdynamik bildeten weiterhin eine starke Grundlage. Entscheidend werde jedoch sein, diese Stärken künftig stärker in industrielle Skalierung und wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen.