Helmholtz intensiviert Präventionsforschung

© Helmholtz Munich / Jan Roeder

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat ein neues Gremium gegründet und damit bringt führende Expert:innen aus allen sechs „Helmholtz Health“-Zentren sowie der NAKO Gesundheitsstudie zusammen, um die Präventionsforschung voranzutreiben. Mit einem interdisziplinären Ansatz will sich Helmholtz für globale Herausforderungen wappnen und die Lücken in der Präventionsforschung schließen.

Als größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands vereint die Helmholtz-Gemeinschaft unter anderem sechs Gesundheitsforschungszentren mit rund 10.000 Mitarbeitenden. Ihre Forschenden entwickeln Strategien zur Früherkennung und Risikobewertung von Krankheiten – von Infektionen und Krebs bis hin zu Stoffwechsel- und neurodegenerativen Erkrankungen. Trotz ihrer großen Bedeutung für das Gesundheitssystem steht die Präventionsforschung vor erheblichen Herausforderungen. Das Fehlen einer langfristigen, umfassenden Strategie und unzureichende finanzielle Mittel haben den Fortschritt verzögert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat ein Expertengremium gegründet, das die Lücken in der Präventionsforschung schließen möchte. Dieses hat wesentliche Lücken identifiziert: Gesundheitsungleichheiten (sprich: Unterschiede in der Gesundheit von Bevölkerungsgruppen aufgrund sozialer, wirtschaftlicher oder geografischer Bedingungen) und Umweltfaktoren werden häufig vernachlässigt, was die Effektivität präventiver Maßnahmen einschränkt. Viele Krankheiten bleiben in ihren frühen, symptomfreien Stadien unentdeckt, da es an Bewusstsein und Forschung mangelt – wie beispielsweise Bluthochdruck, der behandelt werden muss, bevor Symptome auftreten. Darüber hinaus werden bestehende Präventionsprogramme oft nicht ausreichend überwacht, sodass wertvolle Gesundheitsdaten ungenutzt bleiben.

„Indem wir Spitzenkräfte aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, können wir Prävention zu einem zentralen Instrument für eine gesündere Gesellschaft machen“, sagt Prof. Matthias Tschöp, CEO von Helmholtz Munich, der als ehemaliger Vizepräsident von Helmholtz Health die Task Force mitinitiiert hat. „Unser Ziel ist es, über die Behandlung von Krankheiten hinauszudenken und neue Wege zu finden, wie wir Krankheiten vorhersagen, verhindern und eindämmen – noch bevor sie entstehen.“

Mithilfe von Big Data und fortschrittlichen Analyseverfahren wird das Gremium neue Konzepte für wirksame Präventionsstrategien entwickeln. Mithilfe innovativer Technologien wie Multi-Omics, maschinellem Lernen und Bioengineering will es Gesundheitstrends und Risikofaktoren identifizieren, die auf die jeweilige Person zugeschnitten sind, und so Volkskrankheiten früher erkennen und gezielt vorbeugen.

„Wenn wir Gesundheitsdaten besser vernetzen und teilen, können wir die Forschung in prädiktive, effektive und nachhaltige Gesundheitslösungen überführen, die das Leben vieler Menschen verbessern,“ erklärt Prof. Maike Sander, Vizepräsidentin von Helmholtz Health und Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center.

„Unser Ziel ist es, Prävention zu einer zentralen Säule einer nachhaltigen Gesundheitsstrategie zu machen“, ergänzt Prof. Eleftheria Zeggini, Co-Vorsitzende der Task Force und Direktorin des Instituts für Translationale Genomik bei Helmholtz Munich. „Um große gesundheitliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel, Multimorbidität und die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit zu meistern, müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Forschenden, Gesundheitsdienstleistern und politischen Entscheidungsträger:innen intensivieren.“

Die Expert:innen setzten sich zudem dafür ein, ihre Erkenntnisse in die öffentliche Gesundheitsstrategie einzubinden und gesundheitsfördernde Lebenswelten zu gestalten. Ziel sind evidenzbasierte Empfehlungen, die mit der Gesundheitspolitik im Einklang sind und eine gesündere Umwelt und Verhaltensweisen fördern. Neben chronischen Krankheiten liegt der Schwerpunkt der Taskforce auf der Prävention von Infektionskrankheiten – durch gezielte Impfungen, vorbeugende Therapien für Risikogruppen und einen One-Health-Ansatz zur Reduzierung von Zoonose-Risiken.