KI-Prognosemodell schätzt Komplikationsrisiko nach Nierentransplantation - FAU entwickelt ethische Leitlinien

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Im Forschungsprojekt GeGe4Nephro arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Entwicklung eines KI-gestützten Prognosemodells, das Ärztinnen und Ärzten künftig helfen soll, das individuelle Risiko für Komplikationen nach einer Nierentransplantation besser einzuschätzen. Der Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist für die Einbindung ethischer Überlegungen verantwortlich.

Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) über drei Jahre mit rund 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Förderrichtlinie „Interaktive Technologien für eine geschlechtsspezifische Gesundheit“ (GeGe).

Das FAU-Team unter der Leitung von Dr. Max Tretter entwickelt Leitlinien, wie KI-Prognosemodelle fair, geschlechtersensibel und verantwortungsvoll gestaltet werden können. „Ein Prognosemodell, das geschlechtsspezifische Risiken nach einer Nierentransplantation quantifiziert, nimmt direkten Einfluss auf klinische Entscheidungen. Umso wichtiger sind verlässliche ethische Leitplanken: Wie stellen wir sicher, dass KI-Empfehlungen den Situationen und Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten wirklich gerecht werden? Und wie verhindern wir, dass geschlechtsspezifische Verzerrungen unbemerkt in das Modell einfließen? Nur wenn wir solche Fragen konsequent mitdenken, entsteht ein Instrument, das medizinisch überzeugt und zugleich zu einer gerechteren Versorgung beiträgt“, erklärt Tretter.

Der Ansatz folgt dem Prinzip der „Embedded Ethics“: Ziel ist es, mithilfe hermeneutischer, empirischer und normativer Forschung Leitlinien zu entwickeln, die sicherstellen, dass ethische Überlegungen von Anfang an Teil der technischen Entwicklung und klinischen Anwendung sind

In Deutschland leben rund 100.000 Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, die regelmäßig Dialyse benötigen und perspektivisch auf eine Transplantation angewiesen sind. Auch nach einer erfolgreichen Transplantation besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen – auch für Krebserkrankungen. Das geplante Prognosemodell soll dabei helfen, diese Risiken frühzeitig zu erkennen und personalisierte Präventionsmaßnahmen gezielter einzuleiten.

Zur Erprobung wird ein interaktiver Demonstrator entwickelt – eine erste nutzbare Version des KI-Tools, das im klinischen Alltag getestet wird. Rückmeldungen aus dieser Phase fließen direkt in die Weiterentwicklung ein, bevor das System in die Routineversorgung integriert wird.

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in Diagnose, Therapie und Nachsorge. So haben Frauen trotz vergleichbarer oder besserer Prognose nach Transplantation eine bis zu 20 Prozent geringere Chance, auf die Warteliste für eine Spenderniere zu gelangen.

Ziel ist ein innovatives Werkzeug für eine geschlechtergerechte, datenbasierte Medizin, das die Nachsorge von Nierentransplantierten nachhaltig verbessert.