Forschende des LMU Klinikums und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) haben einen Kontrollmechanismus entdeckt, mit dem die Milz überaktivierte Blutplättchen aus dem Kreislauf entfernt. Mit dieser Erkenntnis ließen sich Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gewebeschäden bei Infektionen durch gezieltere Therapien vermeiden. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.
Blutplättchen (Thrombozyten) werden bei Verletzungen aktiviert und sorgen dafür, dass sich Wunden schnell verschließen. Werden sie jedoch unkontrolliert aktiv, können sie Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen und bei Infektionen Gewebeschäden begünstigen. Bislang war wenig darüber bekannt, wie der Körper dieses Gleichgewicht reguliert.
Das Forschungsteam der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des LMU Klinikums um Privatdozent Dr. Leo Nicolai und Professor Steffen Massberg sowie die Erstautoren Lisa Laun, Dr. Alexander Leunig und Felix Zhang konnte nun zeigen, dass die Milz dabei wie eine Qualitätskontrolle funktioniert: Ruhende Blutplättchen gelangen zurück in den Blutkreislauf, während stark aktivierte Blutplättchen in der Milz zurückgehalten und entfernt werden. Fehlte dieser Filtermechanismus, verstärkten sich in Tiermodellen Thrombosen, Lungenverletzungen und Lungenembolien. Auch bei Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt fanden die Forschenden entsprechende Hinweise: Die Milz vergrößert sich und reichert aktivierte Blutplättchen an.
Eine entscheidende Rolle spielt der Rezeptor G6b auf der Oberfläche der Blutplättchen. Beim Durchqueren der Milz erhalten die Blutplättchen aktivierende Signale aus dem Milzgewebe. G6b sendet gleichzeitig hemmende Signale. Bei bereits stark aktivierten Blutplättchen reichen diese nicht mehr aus: Die Zellen bleiben in der Milz haften und werden dort von spezialisierten Fresszellen entfernt.
Der Mechanismus könnte langfristig gezieltere Therapien ermöglichen. Blutplättchenhemmende Medikamente wie ASS oder Clopidogrel hemmen die Aktivierung aller Blutplättchen und erhöhen dadurch häufig das Blutungsrisiko. Ein Ansatz, der vor allem überaktivierte Blutplättchen ausschaltet, könnte die normale Blutgerinnung weitgehend erhalten.
„Interessanterweise spielt dieser Mechanismus in vielen sehr unterschiedlichen Krankheitsmodellen eine Rolle und könnte daher auch für verschiedene Erkrankungen wie Sepsis oder Thrombosen neue therapeutische Ansatzpunkte bieten“, sagt Leo Nicolai. Sein Team will die mögliche therapeutische Nutzung bei menschlichen Erkrankungen weiter untersuchen.