Die multizentrische Studie CURE-GvHD zur Behandlung einer schweren Komplikation nach Stammzelltransplantationen wird unter Leitung des Uniklinikums Erlangen durchgeführt. Im Fokus steht ein innovativer CAR-T-Zell-Ansatz für Patientinnen und Patienten mit schwerer chronischer Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (cGvHD). Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) fördert die neue klinische Studie mit 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Die allogene Blutstammzelltransplantation ist für viele Betroffene mit Leukämien oder Lymphomen oft die einzige Heilungschance. Ihre Wirksamkeit beruht auf dem Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt, bei dem Immunzellen der spendenden Person Tumorzellen bekämpfen. Gleichzeitig kann es jedoch zu der gefürchteten Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung kommen, bei der gesundes Gewebe angegriffen wird. Diese kann akut oder chronisch verlaufen und ist mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden.
Hier setzt die Studie CURE-GvHD an. „Die cGvHD kann in einer Vielzahl von Organen auftreten und bekannte Autoimmunerkrankungen nachahmen“, erläutert Studienleiterin Prof. Dr. Silvia Spörl, Oberärztin der Medizinischen Klinik 5 und Leiterin der Early Clinical Trial Unit des CCC Erlangen-EMN. „Wir wissen, dass die cGvHD ähnliche pathologische Merkmale aufweist wie Autoimmunerkrankungen, in deren Pathogenese die B-Zellen eine wichtige Rolle spielen.“ Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, ob CD19-CAR-T-Zellen eine neue Therapieoption darstellen. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie des Uniklinikums Erlangen gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus dem NCT.
„Bereits seit einigen Jahren forschen wir an CAR-T-Zellen, also den T-Zellen des eigenen Immunsystems. Mithilfe von Gentechnik verändern wir sie so, dass sie Zielzellen wie die B-Zellen erkennen und zerstören können“, erklärt Prof. Dr. Andreas Mackensen Direktor der Medizinischen Klinik 5, in der die Studie primär durchgeführt wird. „Wir stellen die CAR-T-Zellen in unseren eigenen Reinräumen her und setzen sie in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Leukämien, Lymphomen sowie Autoimmunerkrankungen ein.“
Für die Therapie werden patienteneigene T-Lymphozyten gentechnisch so verändert, dass sie das Oberflächenmolekül CD19 erkennen, das auf B-Zellen und Plasmablasten vorkommt. Da diese bei der cGvHD vermehrt auftreten, sehen die Forschenden hier einen vielversprechenden Ansatz. „Aufgrund dieser immunologischen Zusammenhänge vermuten wir, dass CD19-CAR-T-Zellen auch bei der cGvHD wirksam sein können“, sagt Prof. Spörl. „Im Rahmen unserer multizentrischen Phase-I-Studie wollen wir die Machbarkeit einer solchen Therapie und vor allem ihre Sicherheit und Verträglichkeit bewerten.“
An der Studie sind neben dem Uniklinikum Erlangen mehrere Standorte des NCT WERA (Uniklinika Regensburg, Würzburg und Augsburg), dem NCT Berlin (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und dem NCT West (Uniklinikum Köln). Zudem sind eine Patientenvertreterin und ein Patientenvertreter aus dem NCT Dresden sowie ein Patientenvertreter aus dem NCT WERA involviert und begleiten die Durchführung der Studie aus Patientensicht. Ziel ist es, langfristig neue Behandlungsoptionen für schwer betroffene Erkrankte zu entwickeln.