Das Münchener Biotechnologieunternehmen Ovo Labs hat im Rahmen der britischen Fachkonferenz „Fertility 2026“ erstmalig Daten zur Wirksamkeit seines führenden Therapeutikums EmbryoProtect 1 (EP1) veröffentlicht. Die Ergebnisse markieren einen Meilenstein in der Reproduktionsmedizin: EP1 ist in der Lage, die Qualität menschlicher Eizellen, die im Rahmen eines regulären IVF-Verfahrens entnommen wurden, signifikant zu verbessern. Dies könnte einen möglichen Wendepunkt für die In-vitro-Fertilisation (IVF), insbesondere bei älteren Frauen, bedeuten.
In einer präklinischen Studie mit über 100 Eizellen von Patientinnen im Alter zwischen 22 und 43 Jahren konnte die Rate lebensfähiger Eizellen von etwa 47 % auf rund 71 % gesteigert werden. Sollte sich dieser Effekt in klinischen Studien bestätigen, könnte EmbryoProtect das Potenzial haben, die weltweit jährlich durch IVF geborenen Kinder um eine Million zu erhöhen – ein Fortschritt, der als bedeutendste Entwicklung der IVF-Technologie seit Jahrzehnten gewertet werden könnte.
Ein zentrales Problem der IVF besteht darin, dass die Qualität und Anzahl der Eizellen mit dem Alter der Frau drastisch abnimmt. Ab dem 40. Lebensjahr weisen mehr als 70 % der Eizellen chromosomale Fehlverteilungen (Aneuploidie) auf. Dies führt häufig zu Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder genetischen Erkrankungen wie dem Down-Syndrom.
Prof. Melina Schuh, Direktorin am Max-Planck-Institut und Mitgründerin von Ovo Labs, erläutert: „Frauen produzieren im Erwachsenenalter keine neuen Eizellen. Sie sind auf das begrenzte Reservoir angewiesen, das sich vor der Geburt entwickelt. Da Eizellen zu den am schnellsten alternden Zellen des Körpers zählen, zeigen sich bereits in den frühen 30ern erste Alterungserscheinungen – mit zunehmender Beschleunigung ab dem 40. Lebensjahr.“
Die präklinischen Studien unter der Leitung von Dr. Debojit Saha und Dr. Saba Manshaei (heute Entwicklungsleiterin bei Ovo Labs) zeigen nun, dass EP1 altersbedingte Schäden an Eizellen rückgängig machen kann. Zwar wurde die Eizellverjüngung bisher in Modellorganismen demonstriert, doch Ovo Labs ist das erste Unternehmen, dem dies mit menschlichen Eizellen in vitro gelungen ist.
Dr. Agata Zielinska, Co-CEO von Ovo Labs, stimmen die bisherigen Ergebnisse sehr optimistisch: Der nächste Schritt bestünde nun darin, notwendige Sicherheits- und Toxizitätsstudien in unserem eigenen Forschungslabor abzuschließen, um die erste klinische Studie vorzubereiten. Damit soll der reproduktive Lebenszeitraum von Frauen erweitert werden.
Prof. Antonio Pellicer, Gründer der weltweit größten IVF-Klinikkette IVIRMA, ergänzt:
„Seit Jahrzehnten wissen wir, dass die Eizellqualität der Hauptgrund für das Scheitern von IVF ist – insbesondere bei Frauen über 35. Doch bisher gab es keine Lösung. Was Ovo Labs mit EmbryoProtect entwickelt, ist wissenschaftlich fundiert und klinisch höchst relevant. Sollte sich die Wirkung in Studien bestätigen, könnte dies die Erfolgsrate der IVF signifikant steigern.“
Ovo Labs wurde 2025 von Prof. Melina Schuh, Dr. Agata Zielinska und Dr. Oleksandr Yagensky gegründet. Die Mission des Unternehmens ist es, mit innovativen Therapeutika die Qualität menschlicher Eizellen zu erhalten oder wiederherzustellen. Grundlage sind über 20 Jahre Forschung von Prof. Schuh, deren Arbeiten in renommierten Fachjournalen wie Science, Cell und Nature publiziert wurden. Ihre Forschung bildete den Grundstein für die Entwicklung von EmbryoProtect und weiteren Therapeutika in der Pipeline von Ovo Labs.