Das Münchner Medizintechnik-Startup Noxon hat eine Seed-Finanzierungsrunde in Millionenhöhe abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF), zudem beteiligen sich Bayern Kapital, Auxxo sowie ein weiterer institutioneller Investor. Mit dem frischen Kapital will Noxon seine nicht-invasive Muscle-Computer-Interface-Technologie weiterentwickeln, klinisch validieren und regulatorisch zur Zulassung führen. Ziel ist der Übergang von der Forschung in die klinische Anwendung sowie die Vorbereitung des Markteintritts.
Starke und gesunde Muskeln sind eine zentrale Voraussetzung für Mobilität, Selbstständigkeit und gesundes Altern. Dennoch bleibt Muskelaktivität im Alltag bislang weitgehend unsichtbar. Während zahlreiche andere Körperfunktionen präzise gemessen und analysiert werden können, erfolgt die Erfassung von Muskelsignalen meist nur punktuell und unter klinischen Bedingungen.
Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit sind von Muskelerkrankungen betroffen. Ob bei Parkinson, Skoliose oder in der Rehabilitation nach einem Unfall oder Schlaganfall – häufig fehlen kontinuierliche Daten aus dem Alltag. Dadurch bleibt unklar, ob Muskeln zum richtigen Zeitpunkt, mit angemessener Intensität und im Zusammenspiel mit anderen Muskelgruppen arbeiten. Therapien können bislang nur eingeschränkt individualisiert und langfristig angepasst werden.
Noxon setzt hier mit einem neuartigen, nicht-invasiven Muscle Computer Interface an. Die Technologie integriert Sensoren unauffällig in Kleidung und misst Muskelsignale direkt am Körper. Diese Signale werden in auswertbare Daten übersetzt und ermöglichen eine kontinuierliche Erfassung der Muskelaktivität im Alltag. Muskelarbeit wird damit erstmals systematisch außerhalb von Kliniken zugänglich und kann gezielt für Therapie, Training und Prävention genutzt werden.
Die Plattform verbindet kontinuierliche Messung und gezielte Stimulation von Muskeln. Dadurch lassen sich Behandlungen personalisieren und über den gesamten Therapieverlauf hinweg dynamisch anpassen – nicht nur während einzelner Sitzungen in Reha-Zentren oder Krankenhäusern. Ziel ist es, Muskeltherapie datenbasiert, individualisiert und alltagstauglich zu gestalten.
Gegründet wurde Noxon 2022 als Spin-off dreier renommierter Universitäten, darunter das Karlsruher Institut für Technologie, die Technische Universität München und die Hochschule München. Das Gründerteam vereint Expertise in Neurowissenschaften, Medizintechnik, Hardware- und Softwareentwicklung, KI-basierter Signalverarbeitung sowie klinischer Translation.
Mit der Seed-Finanzierung schafft das Unternehmen nun die Grundlage für die nächsten Entwicklungsschritte. Im Fokus stehen die klinische Validierung der Technologie, die regulatorische Zulassung der Plattform sowie der Ausbau standardisierter Therapiemodule als Voraussetzung für eine breite Anwendung.
Der Markt für Rehabilitation und Neurotechnologie entwickelt sich zunehmend in Richtung digitaler, ambulanter und personalisierter Lösungen. Getrieben durch den demografischen Wandel und eine steigende Zahl chronischer Erkrankungen wächst der Bedarf an Therapien, die unabhängig von stationären Strukturen funktionieren. Noxon positioniert sich in diesem Umfeld mit einer skalierbaren Wearable-Plattform, die kontinuierliche Muskelmessung und -stimulation kombiniert und damit neue Perspektiven für große Patientengruppen mit neurologischen oder muskuloskelettalen Erkrankungen eröffnet. Perspektivisch sieht das Unternehmen zusätzliches Potenzial in angrenzenden Bereichen wie Prävention und Leistungsoptimierung.