Neue Nature-Publikation zeigt: Seltene genetische Varianten erhöhen ADHS-Risiko um bis zu 15-fach
Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat einen wesentlichen Beitrag zu einer internationalen Studie geleistet, die seltene genetische Varianten identifiziert hat, welche das Risiko für ADHS deutlich erhöhen. Die Studie wurde von der Universität Aarhus (Dänemark) geleitet und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Neben internationalen Partnern wie dem Broad Institute (USA) und der Radboud Universiteit (Niederlande) war das UKW zentral an der Diagnostik und Probensammlung beteiligt.
Insgesamt flossen genetische Daten von rund 1.000 Patientinnen und Patienten aus Würzburg in die Analyse ein. Damit stellte Würzburg einen der größten Patientendatensätze der Studie zur Verfügung. Die Stichprobe ermöglichte unter anderem die Entdeckung, dass seltene genetische Hochrisikovarianten bei Erwachsenen mit ADHS mit einem durchschnittlich um 2,25 Punkte niedrigeren IQ-Wert einhergehen.
Prof. Dr. Klaus-Peter Lesch, Seniorprofessor an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und ehemaliger Leiter des Lehrstuhls für Molekulare Psychiatrie, betont: „Ich freue mich sehr, dass wir in Würzburg zu diesen wichtigen Erkenntnissen wesentlich beitragen konnten.“ Lesch ist eine Schlüsselfigur der ADHS-Forschung in Deutschland und war langjähriger Leiter der DFG-Forschergruppe KFO 125.
Auch Dr. Georg Ziegler, leitender Oberarzt und Leiter der Forschungsgruppe zu ADHS im Erwachsenenalter am UKW, unterstreicht die Bedeutung der Ergebnisse: „Mit unserer Forschung möchten wir daher ein besseres Verständnis der neurobiologischen und psychologischen Ursachen von ADHS und seinen häufigen Begleiterkrankungen gewinnen, um langfristig die dringend notwendige Entwicklung zusätzlicher Therapieansätze zu unterstützen“.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass seltene Varianten in bestimmten Genen wie MAP1A, ANO8 und ANK2 zu Störungen in der Gehirnentwicklung führen können – insbesondere in dopaminergen und GABAergen Nervenzellen, die für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle entscheidend sind. Die Auswirkungen dieser Varianten zeigen sich bereits im fetalen Stadium und reichen bis ins Erwachsenenalter.
Mit der Beteiligung an dieser wegweisenden Studie unterstreicht das Universitätsklinikum Würzburg seine führende Rolle in der psychiatrischen Genetik und ADHS-Forschung auf europäischer Ebene.