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Hilft ein einfaches Salz gegen den Milbenbefall der Bienen?

Manchmal hilft die Biotechnologie auch, um von einem komplizierten Ansatz Abstand zu nehmen - und man landet dann bei einer ganz einfachen Salzverbindung als spezifischem Wirkstoff gegen eine Milbenplage bei Bienen? Bayerische Biotechnologen haben da etwas entdeckt.

Varroa-Milben auf Jungbiene Bildquelle: Universität Hohenheim / Bettina Ziegelmann

Man kann mit der RNA-Interferenz-Technologie beginnen und landet am Ende doch bei einem viel einfacheren Stoff, der die seit vielen Jahren beklagte und die Bienenvölker dramatisch in Mitleidenschaft ziehende Varroa-Milbenplage eindämmen könnte: Lithiumchlorid.

Forscher der Biotech-Firma Sitools Biotech und der Universität Hohenheim hatten in ihrem von der Bayerischen Forschungsstiftung geförderten Projekt zunächst auf die RNA-Interferenz-Technologie gesetzt. Über RNA-Interferenz (RNAi) sollten gezielt lebenswichtige Gene des Bienen-Parasiten ausgeschaltet werden. Der Ansatz schien auch durchaus wirksam, doch dann bemerkten die Wissenschaftler Seltsames: „Bei Kontrollexperimenten konnten wir auch mit unspezifischen RNA-Bruchstücken, die weder bei den Bienen noch bei den Milben ein genetisches Ziel finden sollten, die Milben abtöten“, berichtete Peter Rosenkranz von der Universität Hohenheim (bei Stuttgart). „Etwas in unserem Mix bekam den Milben nicht, während die Bienen keinen Schaden nahmen.“

Die nachfolgende Suche gestaltete sich schwierig und es dauerte nun fast zwei weitere Jahre, bis die wirklich wirksame Substanz gegen den Parasiten "eingekreist" und gefunden war: Lithiumchlorid. Die Forscher hatten die Chemikalie als Hilfsmittel bei der Isolierung der RNA-Bruchstücke verwendet, mit deren Hilfe die Gene im Milbenkörper ausgeschaltet werden. Aufgedeckt wurde dieser Zusammenhang bei einem Martinsrieder Unternehmen, durch den Hobby-Imker Stefan Hannus. Auf ihn, eigentlich Geschäftsführer der Martinsrieder Intana Bioscience GmbH, und seinen Bruder Michael, Chef der Sitools Biotech, geht die Idee für das Projekt zurück. Im Gespräch mit |transkript.de betont Stefan Hannus aber, dass man als Imker noch die Füße stillhalten müsse: „Bisher wurde das Mittel nur bei adulten Bienen getestet, die keine Larven aufziehen. Jetzt muss erforscht werden, ob und bei welchen Konzentrationen die sich in den Waben entwickelnden Larven Schaden nehmen.”

Die Ergebnisse der Arbeit entstanden im Rahmen des Projektes Beepax und konnten Anfang Januar dieses Jahres in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht werden: www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5 .

Zur Firmenseite von Sitools: https://www.sitoolsbiotech.com/

zur Pressemitteilung der Universität Hohenheim