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Leibniz Gründerpreis 2018 geht an Tubulis

Die Preisträger Jonas Helma-Smets, Christian Hackenberger und Dominik Schumacher, (v. links) mit Leibniz-Präsident Matthias Kleiner (re.) und Leibniz-Generalsekretärin Bettina Böhm (li.). © Leibniz Gemeinschaft

Tubulis Technologies, das gemeinsame Projekt des Berliner Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), ist mit dem Gründerpreis der Leibniz-Gemeinschaft 2018 ausgezeichnet worden. Die Gründer wollen mit zielgerichteten Wirkstoffen eine Alternative zur klassischen Chemotherapien schaffen. Der Preis ist mit 50.000 Euro für die weitere Entwicklung des Unternehmenskonzepts dotiert.

Die klassische Krebsbehandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung bringt viele Nebenwirkungen mit sich, da die Mittel in der Regel unspezifisch den ganzen Körper beeinflussen. Die zielgerichtete Tumortherapie hingegen versucht, möglichst nur die Krebszellen abzutöten. Große Hoffnungsträger sind hier Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), die aus drei Komponenten bestehen: dem Antikörper, der auf ein bestimmtes, möglichst nur auf der Tumorzelle vorkommendes Protein abzielt, einem Zellgift, das den Tumor angreifen soll sowie einer weiteren chemischen Substanz, dem sogenannten „Linker“, der die beiden anderen Komponenten miteinander verbindet. Dieser Linker ist deshalb besonders wichtig, da er dafür sorgt, dass der Wirkstoff erst nach Bindung an die Tumorzelle freigesetzt wird. Das Forscherteam der LMU München und des FMP Berlin entwickelt über firmeneigene Technologien eine Art molekularen Kleber zur stabilen Anheftung der Toxine und somit zur Herstellung von wirksamen und gleichzeitig verträglichen ADC. Über gemeinsame Entwicklungen und Lizenzverträge mit Kunden aus dem Pharma- und Biotech-Bereich sollen effiziente und zielgerichtete Wirkstoffe entstehen.

Aktuell wird das Vorhaben mit dem EXIST-Forschungstransfer-Programm des Bundes­wirtschaftsministeriums, dem m4 Award des bayerischen Wirtschaftsministeriums (BioM berichtete: Preisträger m4 award 2017) sowie dem Leibniz-Wettbewerb der Leibniz Gemeinschaft gefördert. Mit dieser Hilfe will Tubulis Technologies seinen Ansatz im Tiermodell testen und eigene proprietäre ADCs auf den Weg bringen.

Der Wirtschaftschemiker Dr. Dominik Schumacher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und der gründungserfahrene Biologe Dr. Jonas Helma-Smets von der Ludwig-Maximilians-Universität München agieren für Tubulis Technologies operativ. Als Mitgründer und Miterfinder fungieren Prof. Christian Hackenberger (FMP) und Prof. Heinrich Leonhardt (LMU). Deren gemeinsames interdisziplinäres Forschungsprojekt im Schwerpunktprogramm 1623 „Chemoselektive Reaktionen für die Synthese und Anwendung funktionaler Proteine“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft hatte den Grundstein für das Gründungsvorhaben gelegt.

Tubulis plant noch in diesem Jahr die Gründung einer GmbH, die nach weiteren Validierungen und Laborinvestitionen zügig ein ADC-Pilotprojekt und anschließende erste Kooperationsprojekte mit Industriepartnern anstrebt.

Für Leibniz-Präsident Matthias Kleiner besticht das ausgezeichnete Vorhaben vor allem durch seine gesellschaftliche Relevanz: „Krebs ist nicht nur als zweithäufigste Todesursache in Deutschland, sondern auch wegen der oft gravierenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei vielen Menschen mit großen Ängsten verbunden. Tubulis Technologies macht Hoffnung auf eine effektive Behandlung mit vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Ich hoffe, dass der Leibniz-Gründerpreis dazu beitragen kann, dieses vielversprechende Vorhaben aus einer Kooperation von Leibniz-Institut und Universität erfolgreich weiterzuentwickeln, damit es am Ende den Patientinnen und Patienten zugutekommt.“

Über den Leibniz-Gründerpreis
Mit dem Gründerpreis der Leibniz-Gemeinschaft werden Ausgründungsvorhaben aus Leibniz-Instituten in der Vorbereitungs- bzw. Start-up-Phase unterstützt. Das Preisgeld ist zweckgebunden für die Unterstützung der Vorhaben bei der Überprüfung und praktischen Umsetzung ihrer Unternehmenskonzepte, insbesondere für Herausforderungen wie Markteintritt, Finanzierung, Marketing oder Vertrieb. Die Begutachtung der eingereichten Vorschläge erfolgte durch die Preis-Jury der Leibniz-Gemeinschaft, die sich aus leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Leibniz-Instituten und Personen des öffentlichen Lebens zusammensetzt, darunter ausgewiesene Experten für Unternehmensgründungen und Wissenstransfer.

Weitere Informationen:

Pressemiteilung_Gründerpreis der Leibniz-Gemeinschaft 2018

www.tubulis.com