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Präsentation des EY-Biotech-Reports: Professionelle Translation als Hebel?

Gemeinsam präsentierten der Technologiepark Heidelberg, der BioRN Life Science Cluster Rhine-Neckar und BioM den aktuellen EY Biotech Report. Dr. Siegfried Bialojan stellte die aktuellen Zahlen und Entwicklungen der deutschen Biotechnologie-Branche vor.

Gemeinsam präsentierten der Technologiepark Heidelberg, der BioRN Life Science Cluster Rhine-Neckar und BioM den aktuellen EY Biotech Report.

Auch bei der Präsentation des EY Biotechnologie Reports 2020 blieb das Thema Corona nicht außen vor. Weltweit gäbe es derzeit über 700 Lösungsansätze zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie, vor allem im Bereich Diagnostik, Therapie und Impfstoffentwicklung, so Dr. Siegfried Bialojan, Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY.

Deutschland und insbesondere auch Bayern sind hier durchaus mit interessanten Projekten vertreten. In Deutschland forschen über 50 Firmen an Medikamenten oder Impfstoffen gegen COVID-19. Die tatkräftige Beteiligung im Kampf gegen die Pandemie zeige die enorme Spontaneität und Kreativität der Biotechnologiebranche. Wie nachhaltig die derzeitige vermehrte Aufmerksamkeit gegenüber der Biotechnologiebranche sein wird, sei schwer zu sagen und zeige sich wahrscheinlich erst in einem Jahr. Viele Projekte befänden sich noch in einer sehr frühen Phase. Dazu, wie sich die Corona-Pandemie bezüglich F&E Ausgaben auf die Firmen auswirken wird, traue Bialojan sich momentan noch keine Aussage zu.

Zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz, Beschäftigtenzahl und F&E
Die Zahlen des vorgestellten EY-Biotechnologie Reports beziehen sich freilich auf das letzte Jahr – vor der Corona-Pandemie. Die Biotechnologie-Branche in Deutschland hat sich 2019 deutlich dynamischer entwickelt als in den Vorjahren. Fast in allen Bereichen erreichten die Unternehmen zweistellige Wachstumsraten: Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 4,87 Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten um 16 Prozent auf 33.706 Beschäftigte und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sogar um 21 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro.

Zu betonen ist allerdings, dass die Entwicklung vor allem durch die börsennotierten Unternehmen getragen werden. Das seit vergangenem Jahr an der Börse gelistete Unternehmen BioNTech ist zusammen mit Qiagen und Evotec allein für 40 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich.

Professionelle Translation als Hebel
Die Studie zeigt, dass neben dem Kapital für einzelne Leuchttürme wenig für die Gesamtbranche bleibt. Es sei zwar genügend Venture Kapital vorhanden, dieses verteile sich jedoch ungleich auf verschiedene Bereiche, erklärte Bialojan in seiner Präsentation. So gingen große Teile an Startups aus den Sektoren Mobilität, Software oder Finanztechnologie. Deshalb spricht sich Bialojan für eine professionellere Translation aus: „Die professionell begleitete Umsetzung von Ideen aus der Forschung in marktfähige Produkte kann die Risiken des Scheiterns reduzieren und damit gleichzeitig die Chancen auf Finanzierung erhöhen.“ Neben Unternehmergeist, Kapital und zielgerichteter Forschung sei ein Denken in Ökosystemen wichtig. Die Biotechnologiebranche müsse in Deutschland zusammenarbeiten. Zudem seien wenige aber professionelle Inkubatoren nach US-amerikanischem Vorbild notwendig, um professionelle Unternehmensentwicklungen voranzubringen.

Abschließend hofft Bialojan, dass die Bedeutung und die Beachtung des Potenzials der deutschen Biotech-Branche durch die Coronakrise nachhaltig gestärkt ist.

Der EY Biotechnologie Report 2020 ist hier nachzulesen: Deutscher Biotechnologie-Report 2020 - Good Translational Practice