Nachrichten

Wissenschaftler legen Strategie zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie vor

Die vier größten deutschen Forschungsorganisationen sind sich einig, dass weiterhin konsequente Kontakteinschränkungen erforderlich sind, um die Corona-Krise einzudämmen.

© Pixabay

Die vier größten deutschen außeruniversitären Forschungsorganisationen Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft haben eine gemeinsame Stellungnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorgelegt.

Wissenschaftler der vier Forschungsorganisationen sind sich einig, dass weiterhin konsequente Kontakteinschränkungen erforderlich sind, um die Corona-Krise einzudämmen. Die Situation sei nicht stabil, selbst eine nur kleine Erhöhung der Reproduktionszahl würde zu einem exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen führen.

Zwei-Phasen-Strategie

Die Forscher schlagen eine adaptive Eindämmungsstrategie vor. In einer ersten Phase sollen die Kontakteinschränkungen beibehalten und gleichzeitig Testing- und Tracing-Kapazitäten weiter ausgebaut werden. Diese Phase gehe in eine zweite Phase über, wenn die Neuinfektionen soweit zurückgegangen sind, dass eine effektive Kontaktnachverfolgung möglich ist. Indem die Kontaktnachverfolgung Infektionsketten unterbricht, könne sie die  Kontakteinschränkungen nach und nach ersetzen und würde durch diese nur noch adaptiv flankiert.

Notwendige Maßnahmen

Für eine erfolgreiche Eindämmung der Corona-Pandemie seien drei Säulen von strukturellen Maßnahmen nötig:

  • Hygienische Maßnahmen, wie z.B. Mundschutz in Geschäften und öffentlichen Plätzen oder Desinfektionsstationen, um Infektionen durch unerkannte Träger zu reduzieren.
  • Testing- und Tracing-Kapazitäten, um lokale Infektionsherde früh zu erkennen, Fälle zu isolieren, enge Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen, vorsorglich zu quarantänisieren und so Ansteckungsketten zu unterbrechen.
  • Adaptive Steuerung von flankierenden kontakteinschränkenden Maßnahmen, um einen erneuten Anstieg der Neuinfektionen zu verhindern

Ausrottung oder zügige Durchseuchung keine Option

Eine kompletteAusrottung des Virus oder eine zügige Durchseuchung erscheinen den Forschern derzeit nicht praktikabel. Die vollständige Ausrottung sei zwar möglich, bedarf aber internationaler Koordination und großer Anstrengung und sei deshalb zeitnah nicht erreichbar. Eine zügige Durchseuchung hätte eine massive Überlastung unseres Gesundheitssystems und entsprechend viele vermeidbare Todesfälle zur Folge. Keines der beiden Szenarien stelle daher eine gangbare Option dar.

Kontrollierte Herdenimmunität nicht realistisch

Auch das kontrollierte Erreichen einer Herdenimmunität sehen die Forscher nciht als realsitisch an. Ohne das Gesundheitssystem zu überlasten, würde dies nach den bisher vorliegenden Daten einige Jahre dauern und auch weitere Todesfälle sowie langfristige gesundheitliche Schäden bei Patienten fordern. Zudem sei noch nicht wissenschaftlich belegt, ob und wie lange Personen nach einer überstandenden Infektion immun seien.

Für das siebenseitige Papier Adaptive Strategien zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie  haben sich Forscherteams, die sich mit der mathematischen Analyse der Ausbreitung der COVID-19-Erkrankungen und der Vorhersage der weiteren Entwicklung beschäftigen, ihre Ergebnisse zusammengetragen, eine gemeinsame Analyse der Situation verfasst und mögliche Bewältigungsstrategien aus Sicht der Modellierung vorgelegt.