Nachrichten

Hoffnung bei der Therapie gegen multiresistente Tuberkuloseerreger

Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) in Jena und LMU München erproben neuartiges Antibiotikum gegen Tuberkulose in einer Phase I-Studie.

Sekundäre Tuberkulose in der Lunge und Nahaufnahme von Mycobacterium tuberculosis © shutterstock

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI) in Jena und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München erproben das erste in Deutschland entwickelte Antibiotikum gegen Tuberkulose in einer Phase I-Studie.

Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien sind weltweit zu einem großen Problem geworden. Auch die Therapie von Tuberkulose wird dadurch zunehmend komplizierter - auch deshalb, weil für ihre Behandlung stets mehrere Antibiotika gleichzeitig verabreicht werden müssen. Nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation erkranken weltweit jährlich mehr als 10 Millionen Menschen.  600.000 Infektionen werden dabei von Bakterienstämmen verursacht, die gegen mindestens ein Antibiotikum resistent sind. Um neue Therapieformen zu entwickeln, werden daher dringend mehrere neue Wirkstoffe benötigt, idealerweise mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.

Die neu entwickelte Substanz mit der Bezeichnung BTZ043 gehört zu einer neuen Antibiotika-Klasse, den Benzothiazinonen, und wirkt auch gegen multiresistente Erreger. Als erster Vertreter dieser Substanzfamilie erlangte BTZ043 für seine Wirkung gegen den Tuberkuloseerreger weltweiten Patentschutz. Der Wirkstoff BTZ043 wurde am Leibniz-HKI in Jena entdeckt, das seit 2014 mit dem Klinikum der LMU München unter anderem im Konsortium InfectControl 2020 und im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gemeinsam zur Weiterentwicklung des Medikaments kooperieren.

„Der Wirkstoff bindet irreversibel an ein Enzym, das die Mykobakterien – die Erreger der Tuberkulose – zum Aufbau der Bakterienzellwand benötigen“, erklärt Dr. Florian Kloß, Leiter der InfectControl 2020-geförderten Transfergruppe Antiinfektiva am Leibniz-HKI. „Dieses Enzym kann dadurch nicht mehr arbeiten, in den Zellwänden der Mykobakterien entstehen Löcher und sie laufen aus“, ergänzt DZIF-Wissenschaftler Prof. Michael Hölscher, Direktor des Tropeninstituts der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dieser Angriff ist so gezielt, dass BTZ043 nur die Tuberkuloseerreger, nicht aber andere für den Menschen wichtige Bakterien bekämpft.

Nach Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und die Ethikkomission der Bayerischen Landesärztekammer kann die Phase-I-Studie starten. Bis zu 40 freiwillige Teilnehmer erhalten dann das Medikament in schrittweise ansteigender Dosis, um die Sicherheit der Substanz sicherzustellen.

Prof. Axel Brakhage, Direktor des Leibniz-HKI und Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, begleitet die Entwicklung des Wirkstoffes seit seiner Entdeckung: „Es bedarf immenser finanzieller und organisatorischer Anstrengungen, wenn öffentlich finanzierte Institutionen in die Medikamentenentwicklung einsteigen. Die bedrohliche Ausbreitung multiresistenter Erreger macht es jedoch absolut erforderlich, der Industrie auf diesem wenig lukrativen Weg entgegenzugehen. Dank der in InfectControl 2020 geförderten Transfergruppe und unserer Partner vom DZIF am Klinikum der Universität München haben wir bereits viele Erfahrungen gesammelt, die wir auch auf künftige Entwicklungsprojekte übertragen können“, so Brakhage.

Alle Belange rings um Patentierung und Technologietransfer dieses Wirkstoffes des HKI wurden von Ascenion gemanagt.

Weitere Informationen:

zur Pressemitteilung des HKI: Neuer Tuberkulose-Wirkstoff geht in die klinische Erprobung

zur Pressemitteilung der LMU: Tuberkulose: Klinische Erprobung eines neu entwickelten Medikaments startet

zur Website der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin - Klinikum der Universität München